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Geschrieben von: Robert Mertens

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Fitness-Tracker im Umfeld von Lebensversicherungen

Sicherlich kennen Sie das Versicherungsprodukt, welches jahrzehntelang quasi als Kernprodukt von nahezu jedem Versicherungsunternehmen bezeichnet werden konnte – die klassische Lebensversicherung. Doch in Zeiten moderner Elektronik gehen Lebensversicherer immer mehr dazu ├╝ber, andere Gesch├Ąftsmodelle zu entwickeln. Wo es fr├╝her ausreichte, dass Sie ein paar Gesundheitsangaben auf einem Papierantrag gemacht haben, m├╝ssen Sie bei einigen Versicherern mittlerweile tiefergehende pers├Ânliche Informationen von sich preisgeben – wie die FAZ berichtet.

Die digitale Zeitenwende – auch im Umfeld der Versicherer

Wo hat dieser Wandel seinen Anfang genommen? Genau, in den USA. Dort ist der, wohlgemerkt traditionsreiche, Versicherer John Hancock auf die Idee gekommen, den Versicherten beispielsweise Gutscheine f├╝r Online-Shops wie Amazon & Co. anzubieten. Doch im Gegenzug m├Âchte das Unternehmen nat├╝rlich eine Gegenleistung erhalten – mehr Daten von Ihnen, respektive den Nachweis einer gesunden Lebensweise. So kommt das Stichwort der Fitness-Tracker ins Spiel, mit dem Sie Ihre gesammelten sportlichen Aktivit├Ąten an den Lebensversicherungskonzern weiterleiten.

Belohnung f├╝r sportliche Bet├Ątigung

Hancock setzt hier zuk├╝nftig auf ein Programm namens Vitality, das mit Ihrer pers├Ânlichen Lebensversicherungs-Police verkn├╝pft wird. Als Versicherungsnehmer sollen Sie damit zu einer gesunden Lebensweise angespornt werden, was sich wiederum auf die Pr├Ąmie der Versicherung auswirken kann, oder Ihnen Rabatte bei ausgew├Ąhlten Shops beschert. Hancock bietet Vitality seit 2015 als Option f├╝r interessierte Kunden an. Doch das ├Ąndert sich ab sofort.

Schlie├čen Sie jetzt eine Lebensversicherung bei diesem Konzert ab, ist die Einbindung von Vitality zum Standard geworden. Das Unternehmen John Hancock stellt das Modell als eine Plattform dar, die eine Verhaltens├Ąnderung bei seinen Kunden bewirkt. Alle Lebensversicherungspolicen sollen nun mindestens mit der Vitality-Basisversion verbunden sein. Zahlen Sie einen monatlichen Aufpreis von etwa 2,00 Dollar, erhalten Sie eine Vitality-Plus-Version, mit der Sie weitere Verg├╝nstigungen erhalten.

Treiben Sie regelm├Ą├čig Sport und dokumentieren Ihre Ergebnisse auf dem Smartphone oder einer entsprechenden Internetseite, k├Ânnen Sie zu reduzierten Preisen bei Amazon einkaufen. Auch der Einkauf von gesunden Lebensmitteln wird wird so honoriert. Mit der Plus-Variante gew├Ąhrt Ihnen der Versicherer dann sogar einen j├Ąhrlichen Rabatt in H├Âhe von bis zu 15 Prozent auf Ihre Police – sofern Sie Ihre gesunde Lebensweise regelm├Ą├čig nachweisen.

Elektronischer Fortschritt – welchen Preis zahlt der Kunde?

Ein bekanntes Ger├Ąt, mit dem diese Technologie eingesetzt werden kann und ebenfalls f├╝r Versicherungskonzerne interessant wird, ist die Apple Watch. Diese bekommen Sie von Hancock f├╝r 25,00 Dollar oder alternativ ein kostenfreies Fitbit Fitnessarmband, um Ihre sportlichen Aktivit├Ąten aufzuzeichnen. Nach Mitteilung des Versicherungskonzerns nutzen schon rund 40 Prozent der Lebensversicherungskunden das Vitality-Programm. Laut Auswertungen von Hancock haben Kunden, die am Programm teilnehmen, eine um rund 13 bis 21 Jahre h├Âhere Lebenserwartung als solche, die nicht darin eingebunden sind. Au├čerdem seien die Kosten f├╝r Aufenthalte im Krankenhaus bei dieser Gruppe, um etwa 30 Prozent geringer.

Das Vitality-Programm ist aber nicht von Hancock selber, sondern von Discovery, einem s├╝dafrikanischen Versicherer, entwickelt und im Jahr 1997 in Betrieb genommen worden. Die R├╝ckversichererungsgesellschaft Hannover R├╝ck konnte als Partner gewonnen werden. Dadurch ist das Programm nicht nur in Europa, sondern auch bei Versicherungsgesellschaften in Nordamerika, Australien und Asien bekannt geworden. In Deutschland f├╝hrte es die Generali-Versicherung im Jahr 2016 ein.

Mit der Einf├╝hrung von Vitality keimte zunehmend Kritik auf. Insbesondere unsicherere Kunden oder Datensch├╝tzer werfen seitdem die Frage auf, wie sicher die oftmals sensiblen Daten sind, die ├╝bermittelt werden. Und was ist, wenn Sie nicht so fit und gesund sind, wie andere Kunden? Einige Versicherungsexperten sehen dadurch sogar das urspr├╝ngliche Versicherungskonzept gef├Ąhrdet – die Schadensregulierung einzelner durch die gesamten Kunden einer Versicherungsgesellschaft. Individuelle Risiken w├╝rden jetzt im Fokus stehen.

Fitness-Tracker und Transparenz – ein Widerspruch?

Erh├Ąlt der Versicherer die jeweiligen Daten vom Fitness-Tracker, kann der notwendige Schutz durchaus genau auf Sie zugeschnitten tarifiert werden. Die Frage ist jedoch zurzeit immer noch: Verwendet die Versicherung Ihre Daten wirklich nur f├╝r die Risikoeinstufung und Ihre jeweilige Police? Die Kommunikation im digitalen Zeitalter nimmt mit Vitality zumindest Formen an, die von den Versicherern f├╝r einen intensiveren und aktuellen Austausch mit Kunden genutzt werden kann. Neben allen Kritikpunkten kann dies auch ein innovativer Weg sein, um Versicherungsmodelle zu schaffen, die Ihnen sowie den Unternehmen gleicherma├čen von Nutzen sind.

Quelle: faz.net, Diginomics, 20.09.2018