fitness armband geschichte und entwicklung
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Geschichte und Entwicklung der Fitness-Armbänder

Rund eine Million Fitness-Armbänder gingen 2015 über den Ladentisch. Eine stolze Zahl, die eine Entwicklung hin zum Lifelogging kennzeichnet. Immer mehr Menschen möchten wissen, wie aktiv sie sind, wie sich Puls, Herzschlag und Kalorienverbrauch entwickeln und ob sie (scheinbar) gesund leben. Selbst Krankenkassen setzen immer mehr auf finanzielle Anreize, wenn sich Mitglieder durch Fitness-Armbänder überwachen.

Ein Ende dieser Datensammelleidenschaft bei Nutzern und Institutionen ist nicht abzusehen. Möglicherweise sind die aktuellen Modelle von Fitness-Armbändern und Smartwatches erst der Anfang einer Entwicklung. Obwohl das Phänomen des Self-Trackings noch neu zu sein scheint, reicht die Geschichte und Entwicklung der Fitness-Armbänder jedoch erstaunlich weit zurück.

1472: Leonardo da Vinci erstellt eine Skizze zu einem Schrittzähler

Wer hat’s erfunden? Die Antwort dürfte viele überraschen. Denn kein geringerer als das Genie Leonardo da Vinci hatte sich bereits im 15. Jahrhundert Gedanken um einen Schrittzähler gemacht. Seine Skizzen sind offenbar nicht in eine mechanische Entwicklung gemündet. Allerdings ist die Zeichnung eines aus heutiger Sicht als „Pedometer“ zu bezeichnenden Gerätes die wahrscheinlich älteste Quelle für eine Frühform eines Fitness-Armbandes.

1780: der erste Pedometer

Es soll 1780 der Schweizer Uhrenmacher Abraham-Louis Perrelet gewesen sein, der den ersten Schrittzähler erfunden hat. Der Pedometer basierte auf seiner früheren Idee, eine Uhr sich automatisch aufziehen zu lassen. Die Idee wurde jedoch erst bekannt, als in den USA Thomas Jefferson 1788 eine französische Variante des Pedometers an den Markt brachte. Ob er den als Tomish Meter bezeichnete Schrittzähler nur übernommen hatte oder modifiziert anbot, ist wegen fehlender Patentanmeldungen aus heutiger Sicht unklar.

1921: Der Lügendetektor misst Körperfunktionen

Obwohl das Thema zunächst wenig mit einem Fitness-Tracker gemein hat, ist die Entwicklung des Lügendetektors in den 1920er-Jahren von Bedeutung. Denn erstmals gelang es, mithilfe von chemischen Substanzen Körperfunktionen direkt an der Haut zu messen und aufzuzeichnen. Daraus entwickelte sich eine Technologie, mit der heute Sensoren von Fitness-Armbändern zum Beispiel Puls und Blutdruck zu messen.

Noch heute nutzen zum Beispiel die Sensoren des Jawbone UP3 und anderen Modellen ähnliche Messweisen, um eine mangelnde Inaktivität des Trägers zu erkennen.

1965: 10.000 Schritte mit dem Manpo-kei Pedometer

10.000 Schritte am Tag! Diese Zahl gilt als anzuvisierende Benchmark, um gesund zu bleiben. Die wenigsten wissen jedoch, dass diese auch in einigen Fitness-Trackern installierte Schrittzahl sogar direkt mit der Entwicklung der Pedometer zusammenhängt. Denn 1965 setzte Dr. Yoshiro Hatano diese Zahl als Ziel für das eigene Wohlbefinden fest.

Noch wichtiger ist aber, dass er den Manpo-Kei-Schrittzähler erfand, der die zurückgelegten Schritte von der Summe 10.000 abzog und somit erstmals Kontrolle über die eigene Aktivität zuließ.

1971: Airbags auf Basis eines Beschleunigungsmessers

Aus einem völlig fachfremden Bereich stammt eine weitere sehr wichtige Technologie: die Beschleunigungsmessung. Der „Accelerometer“ war für den Automobilkonzern Ford absolut erforderlich, um die Airbags zum Funktionieren zu bringen. Die dabei genutzten Mechanismen sind als Sensoren in Miniaturform heute Bestandteil jedes Fitness-Armbands. Denn ohne Beschleunigungsmesser sind wesentliche Aktivitätsmessungen nicht möglich.

1975: der erste Taschenrechner an der Uhr

Mit dem Namen „The Calculator“ erschien erstmals eine Armbanduhr, die eine Taschenrechnerfunktion aufweist. Diese Erfindung war für die Entwicklung von Smartwatches deutlich wichtiger, öffnete aber auch Wege für das Integrieren weiterfühender Funktionen, die letztlich Fitness-Armbänder hervorbrachten.

1982: Die Polar PE2000 ist die erste echte Fitnessuhr

Polar Sports brachte in den 1980er-Jahren sportliche Uhrenmodelle auf den Markt, die mehr als nur die typische Zeiterfassung bot. Die PE2000 gilt als erste Fitnessuhr, da diese mit einem Brustgurt gemessene Kreislaufdaten anzeigte. Die Nachfolgemodelle der PE3000-Serie zeigten weitere biometrische Daten an und später sogar Puls-/Blutdruckziele, um beim Sport die eigene Leistung zu optimieren.

Heute gelten die Modelle von Polar Sports als Urväter der Fitness-Tracker. Polar Sports ist eine Marke, die führend bei den Profi-Trackern ist.

1994: kabellose Datenübertragung auf die Uhr

Nachdem digitale Uhren immer mehr zum Alleskönner werden, bringt Timex in den USA ein Produkt in den Handel, das „smart“ ist. Per Datalink empfängt die Uhr Daten wie zum Beispiel Termineinträge vom Computer. Ein kleiner Schritt für Uhren, ein riesiger für Wearables.

1996: Bill Clinton gibt sein Okay für GPS-Nutzung

Selbst der amerikanische Präsident Bill Clinton hat einen gewissen Anteil an der Entwicklung der Fitness-Armbänder. Denn 1996 gab er das Freizeichen für die zivile Nutzung des vorher nur dem Militär vorbehaltenen GPS. Das satellitengestützte Positionierungssystem ist ein wesentlicher Bestandteil, um genaue Standorte und damit Entfernungen korrekt zu errechnen. Auf GPS-Daten basieren einige Berechnungen in aktuellen Fitness-Trackern.

2003: der erste digitale Herzschrittmacher

Auch der erste komplett digitale Herzschrittmacher Vitatron C scheint nur wenig mit Fitness-Armbändern zu tun zu haben. Aber dieses Gerät gilt als erster medizinischer Sender, der in Sekunden Körperdaten an ein Endgerät senden konnte. Heute ist neben dem Messen auch die Datenverarbeitung essenziell für einen guten Fitness-Tracker.

2005: Gesundheits-Apps für Self-Tracker

Ab 2005 schießen Webseiten und Apps für Self-Tracker aus dem Boden des Internets. Apps wie Kalorienzähler, Trainingspartnersuche, Motivationshilfen und viele mehr sind die Grundlage heutiger Fitness-Apps, die direkt mit den Armbändern korrespondieren. Eine der ersten großen Webseiten bzw. Apps war MyFitnessPal. Die App beinhaltet eine motivierende Coach-Funktion.

2006: Nokia veröffentlicht das 5500 Sport mit Bewegungssensor

Das Handy-Urgestein Nokia veröffentlichte 2006 das erste Handy mit einem eingebauten 3D-Beschleunigungssensor. Bewegungen in alle Richtungen konnten Nutzer so mit dem Gerät erfassen. Das 5500 Sport war damit wegweisend für eine genauere Berechnung von Entfernungen, Aktivitäten und verbrauchten Kalorien. Die damalige Technologie ist heute zentraler Bestandteil jedes Fitness-Armbandes.

2006: Nike und Apple kooperieren

Im gleichen Jahr kooperieren der Sportartikelhersteller Nike und Apple. Für die Entwicklung der Fitness-Armbänder ist diese Zusammenarbeit wegweisend. Denn Nike stellt Kleidung wie Schuhe her, die Sensoren beinhalten. Diese messen Entfernungen, Kalorienverbrauch und aktive Zeit und senden diese an iPod und iPhone. Self-Tracking wird damit erstmals zum Phänomen für jedermann.

2007: Fitbit wird gegründet

Der aktuelle Marktführer Fitbit wird gegründet. Anfangs hat das Unternehmen Schwierigkeiten, aber schon bald erscheint das erste Produkt: Ein Schrittzähler, den Nutzer an der Hose tragen. Investoren springen auf den Zug auf und unterstützen das Unternehmen. Das Unternehmen wächst nach und nach zur Nummer Eins heran.

Als erster Hersteller setzt Fitbit auf Tracker, die rund um die Uhr Messdaten liefern und sogar den Schlaf überwachen. Einige Modelle erlauben das Tragen eines Brustgurtes. Die App von Fitbit setzt immer wieder Anreize durch ein besonderes Belohnungssystem.

Die wichtigsten Fitness-Armbänder sind Fitbit Ultra (2011), Fitbit Flex (2013) und Fitbit Charge HR – das erste Fitness-Armband mit einem Herzfrequenzmesser am Handgelenk. Alle drei Armbänder haben Maßstäbe gesetzt.

2008: Nintendo bietet einen virtuellen Personal Trainer

Im November 2008 bringt Nintendo den Personal Trainer Walking auf den Markt. Per Infrarot übermittelt ein Sensor die Schrittanzahl an die Nintendo DS. Ein Jahr später schickt das japanische Unternehmen seine Pokemon-Programme ins Rennen, die ähnliche Funktionen nutzen.

Der dazu gehörende Schrittzähler hat einen kleinen LCD-Bildschirm. Außerdem erhält der Nutzer Erfahrungspunkte. Das Anreizsystem im Fitness-Tracker ist spätestens jetzt geboren. Dieses System weitet Nintendo mit der DS 3 aus. Getätigte Schritte werden zur Ingame-Belohnung. Allerdings lässt sich das System der Schritterfassung durch Handbewegungen austricksen.

2010: Philips Lifetime Auto Alert

Im Randbereich der Wearables bietet Philips das an das Hausnotrufsystem erinnernde System Lifetime Auto Alert. Dieses erfasst Stürze von Senioren per Sensor und bietet Unterstützung beim Hilferuf.

2011: Jawbone erobert den Markt

Im November 2011 erscheint der Hersteller Jawbone auf dem Markt. Mit seiner Fitness-Armband-Serie UP kombiniert das aus der Branche der Militär-Elektronik stammende Unternehmen Aktivitätstracking, Schlafüberwachung und eine gute App inkl. Coaching, die Anreize schafft. Jawbone ist heute einer der führenden Hersteller und Innovatoren von Fitness-Armbändern.

2012: Nike bietet das Fuel Armband

Nachdem Nike bereits seit Jahren mit dem Thema beschäftigt ist, veröffentlicht der Sportartikelhersteller den Tracker Fuel. Das Armband zeichnet Aktivitäten auf und berechnet anhand von bestimmten Sportarten verbrauchte Kalorien. Eine App und die Kombination mit dem iPhone machen das Armband zum beliebten Accessoire. Da Nike Fuel dennoch nicht die Erwartungen des Unternehmens erfüllte, hat sich der Hersteller inzwischen wieder aus dem Markt zurückgezogen.

2013: Peeble schafft Überraschung

Das Unternehmen Peeble lanciert eine Kickstarterkampagne für seine gleichnamige personalisierbare Smartwatch. Statt der angesetzten 100.000 Euro erwirtschaftet das Unternehmen 10 Millionen Dollar per Crowdfunding. Peebles wird über Nacht zum Lifestyleprodukt mit Self-Tracking-Funktionen. Fitbit übernimmt später die Mehrheit am Unternehmen.

2013: Samsung zeigt erstmals ein Fitness-Armband

Samsung Galaxy Gear Fit eher ein zwingender Schritt, damit das koreanische Unternehmen bei den Wearables am Ball zu bleiben. Samsung verbindet Datenaufzeichnungen und Schlafüberwachung sehr geschickt mit Funktionen einer Smartwatch. Die Uhrzeit, eingehende Nachrichten auf dem Handy und viele andere Daten kann der Nutzer bequem von einem kontrastreichen AMOLED-Display.

2013: Garmin steigt in den Markt der Fitness-Armbänder ein

Fast schon überfällig: Der Navigationssystem-Hersteller Garmin steigt in den Markt der Wearables ein und punktet mit Vivosmart und Vivofit. Die beiden Tracker punkten durch eine lange Laufzeit ohne Aufladen. Das Vivofit begrüßt den Nutzer mit seinem Tagesziel und motiviert, dieses einzuhalten.

2014: Das Microsoft Band floppt

Microsoft versucht, am boomenden Markt der Fitnesstracker teilzuhaben. Das Unternehmen setzt auf Microsoft Band, einem Armband, das neben den Standardfunktionen auch den UV-Index errechnet und Sonnenbrandwarnungen anzeigt. Sprachsteuerung, SMS, Anrufe entgegen nehmen – all das funktioniert mit Microsoft Band.

Nach der zweiten Version des Trackers ist jedoch 2016 vorerst Schluss. Microsoft nimmt seine beiden Bands aus dem Handel. Informationen zu einem Nachfolgemodell sind bisher nicht vorhanden.

2014: Sony mit Lifelog

Spät, aber mit einer interessanten Alternative bietet Sony Fitness-Armbänder an. Unter dem Namen Smartband kombiniert das Unternehmen Datenkontrolle mit einem persönlichen App-Tagebuch, das alle Aktivitäten aufzeichnet und mit Fotos und Einträgen angereichert werden kann. Weitere Versionen sind teilweise sprachgesteuert und registrieren sogar Aufregung und Ausgeglichenheit.

2014: Xiaomi bringt MI Band auf den Markt

Erst nach längerem Anlauf veröffentlicht der chinesische Elektronikkonzern und Smartphone-Hersteller Xiaomi ein Fitness-Armband. Das MI Band sowie das Nachfolgemodell MI Band 2 und das Amaz Fit werden zum weltweiten Erfolg. Xiaomi ist fast über Nacht der zweitgrößte Hersteller von Trackern. Die Modelle überzeugen unter anderem durch eine durchdachte Interaktion mit dem Smartphone und mit der Möglichkeit, Apps von Drittanbietern zu installieren.

2015: Apple zeigt Apple Watch

Obwohl Apple einer der Pioniere des Self-Trackings ist, dauert es bis 2015, bis das Unternehmen eine Smartwatch veröffentlicht. Diese beinhaltet Fitnesstracking-Funktionen. Ein echtes Fitness-Armband gibt es von Apple jedoch bisher nicht.

2016: Fitbit mit größtem Marktanteil

Die Branche wächst und die Unternehmen sichern sich Marktanteile. Klarer Spitzenreiter ist Fitbit mit 24,5 Prozent Marktanteil. Xiaomi erreicht inzwischen 19 Prozent. Apple kommt nur auf 7,5, Garmin nur auf 4,6 und Samsung auf 3,6 Prozent.

2017: Aktueller Stand und Ausblick

Jawbone meldet in diesem Jahr Insolvenz an und wird in Zukunft keine Fitness-Armbänder mehr herstellen und unterstützen. Das Unternehmen möchte sich, sofern das Insolvenzverfahren zu einem Positiven Ergebniss kommt, mehr auf Medizin-Wearables konzentrieren.

Fitness-Armbänder sind 2017 außerdem längst kein Spielzeug mehr. Die gemessenen Daten sind inzwischen sehr genau. Die besten Fitness-Armbänder liefern daher nicht nur gute Ergebnisse, sondern überzeugen durch immer mehr Funktionen.

Die Integration von GPS als Standortbestimmung und damit Berechnungsgrundlage für viele Strecken ist bei den hochwertigeren Armbändern ebenso ein Standard wie das Messen der Herzfrequenz am Handgelenk.

Die Grenzen zwischen Fitness-Armband und Smartwatch verschwimmen derweil. Die Modelle sind immer mehr Tracker-Hybride, die deutlich mehr Möglichkeiten als nur Schrittzählung und Pulsmessung bieten.

Beispiele sind Vivoactive HR und Samsung Gear Fit 2, die beide durch Apps erweiterbar sind.

Das ist aber nicht alles: Immer mehr Varianten von Trackern in besonderen Formen kommen auf den Markt. Wearables sind nicht auf das Handgelenk begrenzt, sondern zum Beispiel als schön designte Fingerringe oder smarte Kopfhörer mit Herzfrequenzmessung erhältlich.